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Glänzendes Flügeldebüt in der Stadthalle

Sontraud Speidel entfachte ein Feuerwerk

Robert Schumanns "Grande Sonate" war der Höhepunkt eines denkwürdigen Konzerts

Brillant war die Vorstellung des neuen Steinway-Flügels in der Stadthalle in zweifacher Hinsicht: Einmal wurden die Möglichkeiten eines Instruments deutlich, dessen Klangpracht schier atemberaubend ist, und zum anderen wurde der Flügel von der Karlsruher Musikprofessorin Sontraud Speidel mit kaum zu überbietender Perfektion gespielt. Das Konzert war ein Kunstereignis par excellence, ein Erlebnis für alle Zuhörer, deren Erwartungen sicherlich weit übertroffen wurden. Das wohl aus deswegen, weil sich mit Sontraud Speidel eine überaus temperamentvolle Pianistin vorstellte, die mit allen technischen Schwierigkeiten offensichtlich mühelos fertig wird, allerdings ohne vordergründigem Formalismus zu verfallen. Vielmehr verlieh sie diesem Konzert eine ganz subtile Note, geprägt aber auch vom Selbstbewußtsein einer Künstlerin, die keine Zugeständnisse an die bloße Virtuosität macht. Fraglos gereicht das wunderschöne Instrument Kulmbach zur Zierde.

Die einleitende Klaviersonate 18 in Es-Dur aus opus 31 von Ludwig van Beethoven bedürfte ob ihrer Popularität eigentlich nicht weiter der Erwähnung, wäre sie von der Pianistin nicht auf so eigenwillige Art und Weise vorgetragen worden. Sie holte nämlich Beethoven herunter, machte den fälschlich als Titanen verschrienen Komponisten für die Zuhörer begreifbar. Gleichviel verschaffte die Künstlerin dem großangelegten Werk, das im Grunde die Ausmaße einer Sonate sprengt, jenen Ernst und jene Monumentalität, das ihm wohl auch der Autor zugedacht hat. Es blieb dabei nicht bei allerlei Arabesken, wie sie in dem reizenden Menuetto reichlich vorhanden sind, sondern es wurde auch Nachdenklichkeit, Bitterkeit manchmal, spürbar. Beethovens zerrissenenes Selbstverständnis, sein Widerstand gegen seine eigene Natur wurden durch die Pianistin bis hin zu einem sowohl verblüffenden als auch erschreckenden Porträt des Komponisten nachgezeichnet.

Viel anders verhielt es sich bei der Wiedergabe von Franz Liszts Variationen über das Bach-Motiv "Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen" sowie aus den musikalischen Reminiszenzen zum Kruzifixus aus der Hohen Messe in h-Moll nicht. Anders muß es allerdings gemacht werden mit der "Musique per Piano", eines Sonatine zu drei Sätzen von Maurice Ravel. Die Pianistin verstand es ausgezeichnet, die Empfindsamkeit des Autors nachzuzeichnen, seine Verbindung zu einer Kunst, die auch die Malerei mit einbezieht. Es erklang in der Tat eine Musik der "Blauen Gruppe", einer Künstlervereinigung, derengleichen es nie mehr gegeben hat.

Robert Schumanns "Grande Sonate" in f-Moll, überschrieben mit "Concert sans Orchestre", stand dann für sich allein. Eine solche Interpretation des gewaltigen Werkes wird es so schnell nicht mehr geben. Daß sie in Kulmbach stattgefunden hat, gereicht der Stadt zum Ruhm.

wi., Bayerische Rundschau