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Mit subtilem Klangsinn begabt

Sontraud Speidel im Endenicher Schumannhaus

Von Barbara Kaempfert-Weitbrecht

Ein Klavierabend, wie man ihn sich schöner nicht wünschen kann, war das jetzt nachgeholte, wegen Krankheit der Künstlerin ausgefallene Konzert im Endenicher Schumannhaus. Die junge deutsche Pianistin hat heute bereits nach ersten Preisen bei Internationalen Wettbewerben und großen Erfolgen auf Konzertpodien in aller Welt - Professuren an den Staatlichen Hochschulen für Musik in Trossingen und Karlsruhe inne.

Sontraud Speidel ist eine Meisterin des nuancierten Anschlags, der bin ins feinste durchdachten und durchfühlten Klangkultur. Ihre Phrasierungskunst und ihre sensibel pointierende Agogik legen Zeugnis ab von hoher Musikalität, starker gestalterischer Begabung und einem tiefen, poetischen Ernst. Ein ganz selbstverständlich wirkendes, "handwerkliches" Können und eine grundsolide Spieltechnik bildeten das Fundament jenes verinnerlichten Espressivo-Gestus, der den Abend mit Sontraud Speidel zum Erlebnis macht.

Die Künstlerin hatte sich für ihr Nachhol-Konzert ein großes Programm zusammengestellt, das mit Czernys "La Ricordanca" begann. Die Spielfiguren-Brillanz dieser Variationskette wurde mit bestechender Leichtfüßigkeit und Delikatesse absolviert und bot einen unbeschwerten Einstieg in die weitere Programmfolge. Deren Hauptgewicht lag naturgemäß auf Schumann, von dem man zunächst die Impromptus op. 5 hörte, die in einem lebhaft dahinjagenden Finale mit einer Fuge als Mittelpunkt gipfeln. - Die acht großartigen Kreisleriana-Fantasien op. 16 erklangen als das umfangreichste Werk Schumanns an diesem Abend, das in seinen sehr rasch wechselnden Seelenzuständen und Temperamentslagen besonders ergiebig war für die Ausdruckskraft und die tonklangdynamischen Künste der Interpretin. - Zwei posthum veröffentlichte, charakteristische Sätze aus op. 14 und op. 22 ergänzten die Beispiele aus Schumanns Schaffen.

Als besonders schönes und reiches Feld für die sensitiven Ausdrucks- und Klangexegesen Sontraud Speidels erwiesen sich auch die Variationen op. 9 von Johannes Brahms. Kein Wunder, daß die langanhaltende Beifallsbegeisterung am Ende des Abends die Künstlerin nicht ohne Zugabe ließ.

General-Anzeiger Bonn