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Träumerei am Nachmittag

Klaviermusik - Sontraud Speidel spielt im Kaisersaal von Schloss Lichtenberg

Von Silvia Adler

"Da wo die Worte aufhören, fängt die Musik an", schrieb der Romantiker E. T. A. Hoffmann. In den berühmten "Kinderszenen" op. 15 von Robert Schumann scheint das Dichterwort Programm geworden. In 13 Gedichten ohne Worte lässt der junge Komponist, der selbst gerne Dichter geworden wäre, das Unsagbare hörbar werden.

Mit dem 1838 entstandenen Klavierzyklus eröffnet die Pianistin Sontraud Speidel am Sonntag ihren Klaviernachmittag auf Schloss Lichtenberg, der unter dem Motto "Robert Schumann und Familie" steht. Fast beiläufig schlägt sie die ersten Akkorde an; bewusst auf äußerliche Effekte verzichtend, scheint sie zuerst in die Musik hineinzulauschen. Immer tief in das Geheimnis der Stücke eindringend, gelingt es ihrer feinfühlig-prägnanten Interpretation, Schumanns aus der Erwachsenenperspektive erzählten Kindheitserinnerungen mit großer Eindringlichkeit zum Leben zu erwecken. Mit beseelter Zartheit das Anschlages und raffiniert eingesetzten Verzögerungen der Akkorde verleiht sie der weltbekannten "Träumerei" einen Zauber, als würde man sie zum ersten Mal hören.

Die ungestüme Emphase der "Quatre pièces fugitives" op. 15 von Clara Schumann gestaltet die international mehrfach ausgezeichnete Pianistin mit virtuosem Furor und leidenschaftlichen Crescendi. Schmerzvolle Zerrissenheit spiegelt die bis in die tiefsten seelischen Abgründe ausgelotete "Kreisleriana" von Robert Schumann.

Als klanggewaltigen Konzertabschluss spielt Sontraud Speidel Johannes Brahms' Sonate Nr. 1 in C-Dur, die romantisches Temperament mit klassischem Stilgefühl verbindet. Von symphonischer Strahlkraft bis zu schlichter Liedhaftigkeit kostet die mit stürmischem Applaus bedachte Pianistin die Klangpalette des Werkes eindrucksvoll aus.

Darmstädter Echo, 21. März 2006