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Klangschön und ausdruckstark

Sontraud Speidel faszinierte im Museum Baden mit großartigem Klavierspiel

Wenn man Sontraud Speidel im Konzert erlebt, scheint Klavierspielen das Einfachste und Selbstverständlichste von der Welt zu sein. Da gibt es kein Zurechtrücken des Hockers, keine Konzentrationsphase. Sie setzt sich hin und spielt, spielt mit einer Klarheit, einer Stärke des Ausdrucks, einer Fülle an Klangfarben, die begeistern.

Für das Meisterkonzert der Werner-Trenkner-Gesellschaft hatte sie ein Programm mitgebracht, das ausschließlich aus Werken komponierender Frauen bestand. Davon gab es bereits im 19. Jahrhundert mehr, als man annehmen würde. Maria Szymanowska etwa, gefeierte Pianistin am Zarenhofe in Russland, schrieb eine Polonaise F-Dur und wurde durch ihre Beschäftigung mit der polnischen Volksmusik eine Vorläuferin Chopins. Sontraud Speidel stellte das reizvolle Stück an den Anfang ihrer Vorträge.

Die Pianistin, die neben ihrer Solotätigkeit mit Evelinde Trenkner ein berühmtes Klavierduo bildet, ist auch als Lehrerin auf der ganzen Welt, in den USA wie in Japan, in Montreal wie in Tel Aviv gefragt. Informativ und sehr pointiert erläuterte sie die von ihr gespielten Stücke, spielte dazu Ausschnitte aus verwandten Klavierwerken und demonstrierte dabei ihr riesiges Reperoire.

Der Schwerpunkt des Abends lag auf Werken von Clara Schumann und Fanny Hensel. Besonders faszinierten hier die "Quatre Pièces fugitives" von Clara Schumann und die Sonate g-Moll von Fanny Hensel. Gerade hier bewies Fanny Hensel, dass sie ebenso bedeutende Werke zu schreiben verstand wie ihr berühmter Bruder Felix Mendelssohn-Bartholdy. Auch ihr "Lied ohne Worte Nr. 4", dem ein italienischer Tanz zugrunde liegt, ist ein hinreißendes Stück, zumal, wenn es mit soviel Verve und Virtuosität gespielt wird wie von Sontraud Speidel. Schumanns "Träumerei" dankte für den nicht enden wollenden Beifall.

(KG), Solinger Tagblatt, 4. April 2006